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(Medizinische) Fragen

Hin und wieder gibt es eine (medizinische) Frage, auf die viele gerne eine Antwort hätten. Diese Fragen und Antworten veröffentlichen wir hier.
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Tauchen mit Kindern

Veröffentlicht am: 06. August 2026

Seit vielen Jahren wird intensiv darüber diskutiert, ob Kinder tauchen sollten. Es gibt entschiedene Gegner, die der Meinung sind, dass Kinder überhaupt nicht tauchen sollten. Gleichzeitig gibt es Befürworter, die Kinder bereits in sehr jungen Jahren mit unter Wasser nehmen.

Kinder kommen auf unterschiedliche Weise mit dem Tauchen in Kontakt. Einerseits beispielsweise durch ihre tauchenden Eltern – gemeinsam zum Tauchverein zu gehen, kann schließlich viel Spaß machen. Andererseits werden Kinder auch über Schulen für den Tauchsport begeistert. Ich selbst habe ebenfalls ehrenamtlich dabei geholfen, im Rahmen des Schulsports Kinder mit dem Tauchen vertraut zu machen.

Die Altersgrenzen für das Tauchen unterscheiden sich je nach Tauchausbildungsorganisation (z. B. WOSD, NOB, PADI, SSI, IADS und IAHD). Vergleicht man diese Altersgrenzen miteinander, gibt es bereits ab einem Alter von etwa 8 Jahren spezielle Kinderprogramme, bei denen Kinder spielerisch das Schnorcheln und Tauchen im Schwimmbad kennenlernen können. Ab etwa 12 Jahren werden auch Kurse für ein Junior-Open-Water-Brevet angeboten, das im Alter von 14 oder 15 Jahren in ein reguläres Brevet für Erwachsene umgewandelt werden kann. Darüber hinaus gelten für Junior-Brevets häufig Tiefenbegrenzungen, beispielsweise auf maximal 12 Meter.

Die Nederlandse Vereniging voor Duikgeneeskunde (NVD) hat ihre Position zum Thema Kinder und Tauchen zuletzt im Dezember 2020 angepasst und Empfehlungen für verschiedene Altersgruppen veröffentlicht.

Kinder reagieren unter Wasser anders als Erwachsene – sowohl körperlich als auch mental. Nachfolgend findest du einige wichtige Punkte, die beim Tauchen mit Kindern berücksichtigt werden sollten.

Der Druckausgleich der Ohren erfolgt über die Eustachische Röhre, die den Nasen-Rachen-Raum mit dem Mittelohr verbindet. Bei Kindern verläuft diese Röhre horizontaler als bei Erwachsenen und ist außerdem enger. Dadurch kann der Druckausgleich für Kinder schwieriger sein. Dies ist auch einer der Gründe dafür, dass Kinder häufiger Mittelohrentzündungen bekommen und manchmal Paukenröhrchen benötigen. Mit zunehmendem Alter und Wachstum verändert sich die Lage der Eustachischen Röhre und der Druckausgleich wird normalerweise leichter.

Die Anzahl der Lungenbläschen entwickelt sich bis ungefähr zum neunten Lebensjahr weiter. In dieser Zeit sind die Atemwege noch relativ eng und weniger elastisch, wodurch die Atmung erschwert werden kann. Erst etwa im Alter von 15 Jahren sind die Lungen weitgehend ausgewachsen und funktionieren auf dem Niveau eines Erwachsenen. Dies ist auch einer der Gründe dafür, dass Asthma bei jüngeren Menschen häufiger vorkommt und sich die Beschwerden mit zunehmendem Alter manchmal verringern.

Theoretisch könnten Kinder daher ein höheres Risiko für ein Barotrauma der Lunge haben. Kindern mit Asthma wird vom Tauchen abgeraten. Dies unterscheidet sich von der Situation bei Erwachsenen, bei denen Tauchen unter bestimmten Voraussetzungen und bei gut eingestelltem Asthma möglich sein kann.

Bei Kindern sind die Knochen noch nicht vollständig ausgewachsen. Die langen Röhrenknochen enthalten Wachstumsfugen, in denen unter dem Einfluss von Wachstumshormonen neues Knochengewebe gebildet wird. Dadurch kann der Körper wachsen. Theoretisch könnten beim Tauchen entstehende Stickstoffblasen die Wachstumsfugen beeinträchtigen und dadurch das Wachstum beeinflussen. In der Praxis ist dies jedoch bislang nicht ausreichend untersucht worden.

Da Kinder noch nicht vollständig ausgewachsen sind, wird empfohlen, die körperliche Gewichtsbelastung zu begrenzen. Eine komplette Tauchausrüstung kann selbst im Schwimmbad schnell etwa 15 kg wiegen. Daher empfiehlt es sich, Kindern die Tauchausrüstung möglichst erst im Wasser anzulegen.

Da der Körperbau eines Kindes anders ist als der eines Erwachsenen und Kinder beispielsweise ein relativ schmales Becken haben, kann ein Bleigurt leichter abrutschen. Deshalb kann die Verwendung eines Tarierjackets (BCD) mit integriertem Gewichtssystem sinnvoll sein.

Kinder haben im Verhältnis zu ihrem Körpervolumen eine größere Körperoberfläche als Erwachsene. Dadurch können sie im Wasser schneller auskühlen. Das gilt auch im Schwimmbad!

Die Wassertemperatur liegt unter der normalen Körpertemperatur von etwa 37 °C, sodass der Körper Wärme verliert. Dies kann berücksichtigt werden, indem Kinder auch im Schwimmbad einen geeigneten Tauchanzug tragen. Dabei ist es wichtig, dass der Anzug gut sitzt und nicht bewusst „zum Hineinwachsen“ zu groß gekauft wird. Zusätzlich kann die Dauer des Tauchgangs entsprechend angepasst werden.

Jedes Kind entwickelt sich anders. Ein zwölfjähriges Kind kann geistig und emotional wesentlich weiter entwickelt sein als ein anderes Kind im gleichen Alter. Deshalb sollte immer individuell beurteilt werden, ob ein Kind für das Tauchen geeignet ist. Besonders wichtig ist, dass die Motivation zum Tauchen vom Kind selbst ausgeht und nicht hauptsächlich daher kommt, dass die Eltern gerne möchten, dass ihr Kind taucht.

Um verantwortungsvoll tauchen zu können, ist ein grundlegendes Verständnis verschiedener Aspekte der Tauchphysiologie erforderlich. Das Kind muss in der Lage sein, diese Zusammenhänge zu verstehen. Es muss beispielsweise begreifen, warum beim Aufstieg niemals die Luft angehalten werden darf und warum ein kontinuierliches Weiteratmen wichtig ist, um eine Überdehnung der Lunge zu vermeiden.

Kinder können impulsiver handeln und dadurch Sicherheitsaspekte aus den Augen verlieren. Aufgrund dieser Impulsivität können sie Gefahren anders einschätzen als Erwachsene. Beim Tauchen müssen solche Impulse kontrolliert werden können. Ein Beispiel: Ein Kind sieht einen interessanten Fisch, schwimmt ihm begeistert hinterher und verliert dabei seinen Buddy aus den Augen.

Eine weitere Frage ist, ob und wie ein Kind in einem Tauchunfall tatsächlich das zuvor Gelernte anwenden kann. Kann von einem Kind erwartet werden, dass es seinem erwachsenen Buddy in einer Notsituation angemessen hilft? Wenn dieser Buddy zudem der eigene Vater oder die eigene Mutter ist, kann die emotionale Belastung besonders groß sein. Es ist daher fraglich, ob ein Kind in einer solchen Notfallsituation ruhig und überlegt handeln kann.

Deshalb besteht die Empfehlung, beim Tauchen mit einem Kind grundsätzlich ein Drei-Buddy-System zu verwenden.

Bei einer präventiven tauchmedizinischen Untersuchung (Tauchtauglichkeitsuntersuchung) lässt sich nur begrenzt beurteilen, ob die mentale Entwicklung eines Kindes ausreichend ist, um sicher tauchen zu können. Der Tauchlehrer spielt bei dieser Einschätzung daher eine besonders wichtige Rolle.

Zusammenfassend bin ich der Meinung, dass Tauchen mit Kindern sicher möglich sein kann, wenn die Tauchdauer und die maximale Tauchtiefe entsprechend angepasst werden, die Tauchausrüstung richtig passt, das Kind selbst ausreichend motiviert ist und über die notwendige mentale Reife verfügt. Darüber hinaus sollte beim Tauchen mit einem Kind immer ein dritter Buddy am Tauchgang teilnehmen.

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