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(Medizinische) Fragen

Hin und wieder gibt es eine (medizinische) Frage, auf die viele gerne eine Antwort hätten. Diese Fragen und Antworten veröffentlichen wir hier.
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Der Urin des Tauchers

Veröffentlicht am: 06. August 2026

Kennst du das auch? Du bist beim Tauchen und plötzlich musst du unbedingt zur Toilette! Bei meinen ersten Tauchgängen dachte ich, dass das mit der Anspannung und Aufregung beim Tauchen zusammenhing. Obwohl ich vor dem Tauchgang noch einmal zur Toilette gegangen war, musste ich danach schon wieder dringend. Doch dann stellte ich fest, dass auch meine erfahrenen Tauchpartner dieses Gefühl kannten. An Stress und Anspannung konnte es also wohl nicht liegen.

Bei der Suche in der Fachliteratur und später während meiner Ausbildung zur Taucherärztin fand ich heraus, dass dieser Harndrang beim Tauchen eine ganz normale Reaktion des Körpers auf das Eintauchen ins Wasser ist. Aber wie entsteht er?

Beim Tauchen wird der Körper aus verschiedenen Gründen zusätzlichem Druck ausgesetzt.

  1. Durch das Eintauchen ins Wasser.
    Der hydrostatische Druck des Wassers übt zusätzlichen Druck auf deinen Körper aus. Dieser Effekt beginnt bereits mit den ersten Schritten ins Wasser und nicht erst in 10 Metern Tiefe, wie manchmal angenommen wird.

  2. Durch die Tauchausrüstung.
    Ein Nasstauchanzug liegt eng am Körper an und übt dadurch zusätzlichen Druck aus. Bei Trockentauchern ist dieser Effekt geringer.

  3. Durch die Wassertemperatur.
    Die Wassertemperatur liegt normalerweise unter der Körpertemperatur. Um ein Auskühlen zu verhindern, verengt der Körper die Blutgefäße in den Armen und Beinen. Dadurch fließt dort weniger Blut und es geht weniger Wärme verloren. In tropischen Gewässern mit einer Wassertemperatur von etwa 28 °C ist dieser Effekt geringer als in nordeuropäischen Gewässern, wo die Wassertemperatur im Winter beispielsweise nur etwa 3 °C betragen kann.

  4. Durch die horizontale Körperposition.
    An Land sorgt die Schwerkraft dafür, dass sich relativ viel Blut in den Beinen befindet. Beim Tauchen befindet sich der Körper überwiegend in einer horizontalen Position, wodurch sich das Blut anders im Körper verteilt.

Durch diese Faktoren wird Blut aus der Peripherie – insbesondere aus Armen und Beinen – in Richtung des zentralen Kreislaufs und damit zum Herzen verlagert. Das zentrale Blutvolumen kann dabei um etwa 700 ml zunehmen. Zum Vergleich: Ein erwachsener Mensch hat durchschnittlich etwa fünf Liter Blut. Das entspricht also einer Zunahme des zentralen Blutvolumens von ungefähr 14 %!

Das Herz muss diese größere Blutmenge verarbeiten. Durch die stärkere Dehnung der Herzvorhöfe wird ein Hormon freigesetzt: ANP (atriales natriuretisches Peptid). Dieses Hormon signalisiert den Nieren, mehr Wasser auszuscheiden.

Und diese zusätzliche Wasserausscheidung führt zu mehr Urin – dem typischen Harndrang beim Tauchen.

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